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Aha! So probieren Kinder neue Lebensmittel ohne Druck und Zwang

VON JULIA

Fast alle Eltern kennen das: Der Tisch ist bunt gedeckt - gegessen wird aber nur das, was die Kinder bereits kennen und für "lecker" befunden haben. In unserem Fall: Wassermelone. Doch dieses Mal gab's: Honigmelone! Bisher unbekannt für Paul, trotzdem lecker (finde ich zumindest): Aber wie ich überzeuge ich mein Kind davon, etwas Neues zu probieren, ohne dass es Streit am Esstisch gibt? 


Alles begann mit einer wagemutigen Entscheidung im Supermarkt: Routiniert greife ich in der Obstabteilung meistens, wenn verfügbar, zur Wassermelone. Doch an diesem Tag sehnte ich mich nach Abwechslung - und entschied mich für Honig- statt Wassermelone. Zugegeben: Die gibt es bei uns selten und ich hatte bereits eine entsprechende Vorahnung, dass Paul (4) am Esstisch vielleicht protestieren würde.

 

Und da der mütterliche Instinkt selten irrt...

...kam es, wie es kommen musste: Protest! In einer sehr ausgeprägten Form: "Ich will aber Wassermelone essen!" Mein erster Impuls: ruhig bleiben und rhetorisch überzeugen. "Aber diese Melone schmeckt auch sehr gut. Also ich esse sie gerne." Ich versuchte, mich ansonsten unbeeindruckt zu zeigen. Denn inzwischen habe ich mir abgewöhnt, Lebensmittel besonders anzupreisen. Die Kinder durchschauen das sehr schnell und merken, wenn ihnen etwas vorgespielt wird. 

 

Neues Probieren, ohne Probieren zu "müssen"? 

Plötzlich packt den Papa der Ehrgeiz und er hält ein Stück Melone mit den auffordernden Worten "Nun probier' doch einfach mal!" vor Pauls Nase. Und vorbei ist es mit Freude und Gelassenheit am Esstisch (ja, bei uns läuft auch noch nicht alles perfekt). Während Paul lautstark "ICH WILL WASSERMELONE!" ruft, sehe ich mich gezwungen, einzugreifen. "Er muss doch nicht probieren, wenn er nicht will." Wir werfen uns einen entnervten Blick zu. Hatte diese Honigmelone tatsächlich das Potenzial, unser Abendessen zu ruinieren? 

 

Der Geruch entscheidet

Wussten Sie, dass Kinder und auch Erwachsene meist schon am Geruch erkennen, ob ihnen ein Lebensmittel gut bekommt oder nicht? Trotzdem war bei uns Probieren lange Zeit Pflicht. Für mich stand fest: Wie sollte ein Kind sonst erkennen, ob es ihm schmeckt oder nicht? Irgendwann musste ich mir aber eingestehen: Es kommt weniger auf den Geschmack und viel mehr auf die Bekömmlichkeit an. Und wenn der Körper eine hohe Bekömmlichkeit bereits am Geruch erkennt, warum sollte ich meinen Sohn dann zum Probieren zwingen? Weil die Melone wenig Kalorien hat? Weil ich mir wünsche, dass er abwechslungsreich isst? 

 

Es gibt Menschen, die beispielsweise Vollkornprodukte nicht gut vertragen. Sie essen sie trotzdem und übergehen ihre Körpersignale aus den unterschiedlichsten Gründen: gesünder, länger sättigend, mehr Ballaststoffe. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sagt: "Vollkorn ist immer die beste Wahl." Dass dies aber wissenschaftlich gar nicht untermauert ist, zeigt beispielsweise ein spannender Beitrag des SWR (unbedingt ansehen!). 

 

Kulinarische Körperintelligenz oder die Frage: Wie gut bekommt meinem Kind die Honigmelone? 

Zurück zu unserem kleinen Honigmelonen-Debakel: Ich entschied mich für einen Geruchstest - auch für mich ein spannender Moment, weil wir das bisher selten ausprobiert hatten. "Sollen wir mal an der Melone riechen?", schlug ich vor. "Ich finde, sie riecht sehr süß, was meinst Du?" Statt Skepsis zeigte sich Neugier im kindlichen Gesicht. Gemeinsam hielten wir unsere Nasen über die kleine Schüssel. "...riecht lecker", sagte Paul und veranlasste prompt, dass zwei Stückchen auf seinen Teller gelegt werden. Gegessen hat er dann tatsächlich die halbe Schüssel. Und beim nächsten Supermarkt-Besuch hieß es dann: "Ich will wieder die gelbe Melone!" 

 

...und wenn er nicht probiert hätte? 

Dann wäre ich weiterhin im Vertrauen geblieben: zu meinem Sohn und seiner natürlichen Körperintelligenz. Denn sein Körper weiß am besten, was er braucht. Vielleicht wagen Sie auch mal den Geruchstest, wenn demnächst etwas "Neues" auf dem Familien-Esstisch steht?

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Arleta (Donnerstag, 22 November 2018 05:16)

    So mache ich auch ganz häufig! Ich kriege dann häufig belustigtes Grinsen von meiner Umgebung geerntet, aber ganz oft, wenn ich mich nicht entscheiden kann, was ich essen will, lasse ich meine Nase entscheiden. :-)